Um über Missstände in der Pflegeausbildung und den Alltag von Auszubildenden im Pflegebereich zu informieren fand in Hamburg eine von der SDAJ organisierte Diskussionsveranstaltung mit VertreterInnen der ver.di Jugend Hamburg sowie den Jugendausbildungsvertretern zweier Kliniken in Hamburg und Schwerin statt. Diese Veranstaltung war auf gleich mehreren Ebenen politisch sehr interessant.

Die Genossinnen und Genossen im SDAJ-Landesverband Waterkant hatten in den vergangenen Wochen und Monaten bereits auf Gruppenebene schwerpunktmäßig zu Missständen an Kliniken gearbeitet. Vielfach gipfelte die Recherche zu Problemen und Skandalen in öffentlichen Outings vor den jeweiligen Krankenhäusern oder in der Innenstadt. Auf diesem Wissen und den gemachten Erfahrungen aufbauend entwickelte sich während der Veranstaltung in Hamburg eine fundierte und spannende Diskussion, die sich nach einer kurzen Beschreibung der aktuellen Zustände und eklatantesten Probleme wie zu geringe Vergütung, Überlastung, mangelhafte Anleitung und marode Schulgebäude im Pflegebereich sehr schnell um konkrete Handlungsstrategien und Möglichkeiten der Gegenwehr drehte.Dass man dabei grundsätzlich in einem gewerkschaftlich vergleichsweise gut organisierten Klinikum mit vorhandenen Interessensvertretungsstrukturen wie Personal/Betriebsrat und Jugendausbildungsvertretung (JAV) bessere Ausgangsbedingungen hat als in einem privat betrieben Altersheim irgendwo im tiefen Osten leuchtet zwar ein. In den Diskussionen stellte sich aber heraus, dass dies kein Umstand ist , der eine Belegschaft vor Angriffen der Arbeitgeberseite schützt, wie die aktuelle Tarifauseinandersetzung und die aktive Bekämpfung der JAV-Wahlen durch die Geschäftsleitung am Uniklinikum in Kiel beweisen. Sowohl die ver.di Jugendsekretärin als auch die JAV-Diskutanten stellten die Notwendigkeit heraus, Kämpfe gegen Missstände auf den Stationen mit den Betroffenen gemeinsam zu führen, um sowohl Stellvertreterdenken- und Politik von vornherein zu unterbinden als auch aus den selbstgemachten Erfahrungen und den selbsterkämpften Verbesserungen Mut und Kraft für weitere Auseinandersetzungen schöpfen zu können. Als konkrete Beispiele wurde der Umgang mit Belastungsanzeigen im besten Fall als kollektives Mittel zum Anzeigen eines eklatanten Personalmangels auf Station und der Kampf um tarifvertragliche festgelegte Personalbemessungen genannt. Interessant war darüber hinaus auch die Debatte, in welchem Zusammenhang die diskutierenden Organisationen und Ebenen wie SDAJ, Gewerkschaft und Interessensvertretung selbst zueinander stehen, und dass eine gemeinsame Arbeit und Thematisierung der angesprochenen Missstände sinnvoll ist.

Als Resümee des Abends bleibt, dass eine gemeinsame Gegenwehr gerade im Pflegebereich notwendig und dringend angeraten ist, dass dies aber nur im organsierten Zustand und unter Beteiligung der betroffenen Auszubildenden selbst Erfolg verspricht.

Um den ein oder anderen Aspekt beim gemütlichen Beisammensein noch vertiefend diskutieren zu können öffnete die Hamburger Gruppe im Anschluss an die Podiumsdiskussion die Havanna Bar und so klang der Abend in gemütlicher Partyatmosphäre aus.